BGM-IMPULS | #08

Sie kennt ihren Job, bringt Erfahrung mit und ist mit ihrer Aufgabe zufrieden.
Oder er: zuverlässig, fachlich stark und gerne in seiner heutigen Rolle.
Im Mitarbeitendengespräch kommt weder der Wunsch nach einer neuen Funktion noch nach Führungsverantwortung.
Muss da überhaupt etwas passieren?
Nicht unbedingt im Sinne des klassischen Karriereschritts.
Der aktuelle Schweizer HR-Barometer zeigt, dass klassische Karriereorientierung an Bedeutung verliert und die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit stärker gewichtet wird.
Das ist auch aus Gesundheitsperspektive interessant. Denn Entwicklung muss nicht bedeuten, von einer guten Situation wegzukommen. Sie kann dazu beitragen, dass eine Aufgabe langfristig interessant bleibt, vorhandene Stärken genutzt werden und neue Anforderungen bewältigbar bleiben.
Entwicklung muss nicht nach oben führen
Eine Mitarbeiterin möchte ihr Fachwissen vertiefen. Ein Mitarbeiter würde seine Erfahrung gerne an andere weitergeben.
Auch ein neues Projekt, zusätzliche fachliche Verantwortung oder eine Weiterbildung können Entwicklung bedeuten – ganz ohne nächste Hierarchiestufe.
Die entscheidende Frage ist also nicht, wie wir zufriedene Mitarbeitende zu «mehr» bewegen.
Sondern: Wie kann Entwicklung aussehen, wenn jemand gerne in der heutigen Rolle ist?
Fünf Fragen für das nächste Gespräch
Statt nur «Wo möchtest du in drei Jahren stehen?»:
1. Was möchtest du in deiner heutigen Rolle noch besser können?
2. Welche Aufgaben würdest du gerne vertiefen oder häufiger übernehmen?
3. Welches Wissen oder welche Erfahrung würdest du gerne weitergeben?
4. Was müsste gegeben sein, damit deine Aufgabe auch in zwei oder drei Jahren noch gut zu dir passt?
5. Was würdest du gerne lernen – unabhängig vom nächsten Karriereschritt?
Nicht jede Antwort braucht einen Entwicklungsplan. Daraus kann eine Weiterbildung, eine neue Aufgabe oder mehr fachliche Verantwortung entstehen. Oder die Bestätigung, dass Aufgabe und Person weiterhin gut zusammenpassen.
Und was hat das mit Gesundheit zu tun?
Eine Arbeit, die heute gut passt, muss nicht automatisch auch morgen noch passen.
Aufgaben verändern sich, Anforderungen entwickeln sich weiter – und mit ihnen die Menschen, die sie erfüllen.
Eigene Fähigkeiten einsetzen und weiterentwickeln zu können, kann dabei eine wichtige Ressource sein.
Gesundheitsförderung bedeutet nicht nur, Belastungen zu reduzieren. Sie kann auch bedeuten, das zu stärken, was bereits gut funktioniert.
Aus meiner HR-Perspektive gehört dazu auch, die richtigen Ressourcen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.
Dafür müssen nicht alle nach oben wollen.
Aber es lohnt sich zu wissen, was Mitarbeitende können, was sie einbringen möchten und wie sich ihre Kompetenzen weiterentwickeln können.
Denn damit es auch morgen noch läuft, muss heute nicht alles gleich bleiben.
Und so könnte im nächsten Mitarbeitendengespräch neben der Frage
«Wo möchtest du als Nächstes hin?»
auch diese stehen:
«Wie möchtest du dich dort weiterentwickeln, wo du heute gerne bist?»
Quelle: Schweizer HR-Barometer 2026, Schwerpunkt «Kompetenzen und Disruption»




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