BGM-IMPULS | #06

ABSENZEN TUN WEH.
Wenn jemand fehlt, wird es sichtbar.
Aufgaben müssen neu verteilt werden. Termine geraten unter Druck. Kolleginnen und Kollegen übernehmen zusätzlich. Vielleicht häufen sich Kurzabsenzen oder irgendwann liegt eine längere Arbeitsunfähigkeit vor.
Dann wird gehandelt.
Aber vielleicht lohnt sich eine Frage schon früher:
Wann haben wir eigentlich zum ersten Mal bemerkt, dass sich etwas verändert hat?
Vielleicht war die Person plötzlich weniger zuverlässig als sonst. Zog sich zurück. Wirkte unkonzentriert. Die Zusammenarbeit wurde schwieriger. Die Leistung veränderte sich. Oder bei einem Lernenden häuften sich Situationen, die wir so bisher nicht kannten.
Das kann alles Mögliche bedeuten. Oder auch gar nichts.
Aber wenn Veränderungen auffallen oder sich wiederholen, darf eine direkte Führungskraft durchaus das Gespräch suchen.
Und dann höre ich manchmal sinngemäss:
«Ich kann mich als Führungskraft doch nicht ständig um meine Mitarbeitenden kümmern.»
Nein. Das müssen Sie auch nicht.
Führung bedeutet nicht, jede Stimmung aufzufangen. Nicht jede Veränderung braucht ein Gespräch. Und Vorgesetzte müssen schon gar nicht herausfinden, was im Leben eines Menschen gerade alles passiert.
Aber Menschen zu führen bedeutet auch, nicht wegzuschauen, wenn etwas offensichtlich nicht mehr so läuft wie zuvor.
Dafür braucht es weder eine Diagnose noch ein ausgefeiltes Absenzenmanagement.
Manchmal braucht es zunächst nur ein:
«Mir ist aufgefallen, dass … Wie erlebst du die Situation im Moment?»
Hinsehen, ansprechen, zuhören – das ist Führungsarbeit.
Vielleicht ergibt das Gespräch, dass tatsächlich Unterstützung notwendig ist. Vielleicht geht es um die Arbeit, vielleicht um etwas anderes. Vielleicht braucht es HR, Berufsbildung, Case Management oder eine andere Fachstelle.
Und vielleicht ergibt das Gespräch auch: alles halb so wild.
Aber dann wurde gesprochen.
Denn Absenzen werden sichtbar, wenn jemand fehlt. Gute Führung setzt früher an.




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